Zusatzqualifikation zur Ausbildung zu Fachpädagog*innen für Interkulturelle und Interreligiöse Bildung

Modul 1: Eigene und fremde Sozialisationen und Wertevorstellungen reflektieren und wertschätzen

Vielen ist es nicht immer bewusst, erst recht nicht im Konflikt: Jedes Denken und Handeln basiert auf Werten. Werte, die sich im Laufe des Lebens, in der Sozialisation herausgebildet haben. Machen wir uns daher zunächst bewusst: Welchen Einfluss hatten Ihre Familie, Kultur und Religion auf die Herausbildung Ihrer Wertevorstellungen? Wie zeigen sich diese Werte in Ihrem privaten und öffentlichen Leben? Und: Haben sie in schwierigen Situationen noch Bestand? In diesem Modul setzen wir uns auseinander mit Aspekten der eigenen und fremden Sozialisation und der damit verbundenen Herausbildung von Werten. Wir tauschen uns aus über Ihre persönliche Wahrnehmung, über Sympathie und Distanz, über Erfahrungen und Vorurteile, Erwartungen und Befürchtungen. Dabei geht es auch immer um die Wertschätzung der innerreligiösen Pluralität. Es wird spannend! Denn wir begeben uns in einen Prozess, in dem wir uns möglichst unvoreingenommen gegenseitig in Frage stellen, wobei auch die Vielfalt säkularer Haltungen im Kontext der Religionen konstruktiv zum Zuge kommt. Wir üben empathisches Zuhören durch Staunen und Nachfragen, um so gegenseitige Achtung und Respekt zu erzeugen. Wir entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Es geht um kulturelle, säkulare, religiöse, traditionelle, familiäre und universelle Werte – und damit ganz eng verbunden: um Wertschätzung!

Umfang des Moduls: 24 UE

Modul 2: Generationsübergreifende Prägung im Umgang mit Geschichte erkennen und anerkennen

Das prägt die Identität und das Verständnis von Geschichte: Familiengeschichten, Heimatgeschichte, die Weitergabe kulturellen und religiösen Kollektivwissens. In diesem Modul machen Sie sich mit dieser Tatsache zunächst vertraut. Sie anerkennen und wertschätzen die Unterschiede von Identitätenbildungen in verschiedenen historisch-kulturell und historisch-religiös gewachsenen Kontexten. Und Sie erfahren: Dort, wo sich Identitäten und damit verbundene Gruppenzugehörigkeiten verankern, sind Ausgrenzungsmechanismen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mögliche Effekte. Deren Ursachen und Erscheinungsformen schauen wir uns an und nehmen diese im Zusammenhang unbefriedigter grundrechtlicher Bedürfnisse wahr. Über Zeitzeugengespräche und Gedenkstättenarbeit werden Sie mit der Geschichte der Judenfeindschaft konfrontiert und erlernen Methoden ihr zu begegnen. Sie setzen sich mit der Geschichte des Nahost-Konflikts auseinander, auch im Kontext Ihrer Sozialisation. Sie lernen, mit eigenen Abwehrmechanismen umzugehen, sprach- und handlungsfähig zu werden. Und: Wir schauen uns Positivbeispiele an, geschichtliche Ereignisse, die zeigen, wie ein gelungenes Miteinander der Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen vitale Praxis sein kann.

Umfang des Moduls: 24 UE

Modul 3: Rassifizierendem Denken und diskriminierendem Verhalten begegnen

Wie umgehen mit Situationen der Ausgrenzung, mit Beleidigungen, mit unzulänglichen Verallgemeinerungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit? In diesem Modul machen Sie sich sprach- und handlungsfähig. Sie erproben anhand von Fallbeispielen, wie Sie adäquat reagieren, intervenieren und sanktionieren, wenn Sie judenfeindliche, islamfeindliche oder rassifizierende Äußerungen erleben, sei es in Teams und Familien, bei Eltern oder Kindern. Sie übernehmen die Perspektive der Betroffenen. Sie betrachten, welche Folgen rassifizierendes Denken und diskriminierendes Verhalten auf das Denken, das Verhalten und die Entwicklungen von Kindern, Jugendlichen und Familien ausübt. Dazu gehören auch Mikroaggressionen. Es geht hier um familiäre-religiöse Konfliktpotenziale, die sich auf die Kinder übertragen. Durch Methoden der Mediation und das Erarbeiten eines Konfliktmanagements an Kindertagesstätten, Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen lernen Sie, dem reflektiert und konstruktiv zu begegnen. Erwarten Sie Input auf dem neuesten Stand der Forschung.

Umfang des Moduls: 32 UE

Modul 4: Jüdische, christliche und islamische Rituale, Geschichten und Feste kennen

Vom Beten, Glauben, Pilgern, Feste feiern, Fasten und Essen bis zur Wohltätigkeit: Das, was Religion ist, zeigt sich nirgends deutlicher als in den Ritualen und Praktiken des Alltags. Doch worin unterscheiden sich die Religionen diesbezüglich? Und wo bestehen Gemeinsamkeiten? In diesem Modul schauen wir uns anhand alltäglicher Situationen und anhand von Fallbeispielen genau das an. Auch reflektieren wir, wo Möglichkeiten bestehen, trotz der religiösen Traditionen individuell zu handeln. Wir tauschen uns darüber aus, wie sich Ihre ersten bewussten Erfahrungen mit Religion gestalteten. Lassen Sie uns erinnern: Denn Traditionen, wie z. B. die Taufe, die Kommunion oder Konfirmation, die Jugendweihe, die Bar oder Bat Mitzwa markieren immer das Eintreten in eine Religionsgemeinschaft, stiften aber auch Sinn für das Erwachsenwerden in den Religionen und bedeuten, dass man Verantwortung übernimmt – für sich selbst, für die Mitmenschen und für die Gesellschaft. Unsere Reflexionen in diesem Modul haben dabei stets die religiöse, aber auch die weltanschauliche Vielfalt zum Thema: aus der Perspektive der Religionen und bezogen auf Frauen, Männer und Familien. Deren Verhältnis zu Körperlichkeit und Sexualität sowie ihr Umgang damit sind ebenfalls Thema, und das immer aus der Perspektive gewachsener Kontexte (Herkunft, Kultur, Erziehung). Wir diskutieren sie in Bezug auf das Leben der Kinder in Bildungseinrichtungen und erörtern Möglichkeiten des würdevollen Umgangs. Das Verhalten in der Mitwelt betrachten wir dabei aus der Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung.

Umfang des Moduls: 32 UE

Modul 5: Begleitende Hilfe für die Auswahl eines Praxisprojekts erhalten

Jetzt geht es um die Praxis: Denn im Rahmen Ihrer PIIB-Ausbildung müssen Sie ein Praxisprojekt in schriftlicher Form vorgelegen. Bis zum Colloquium (Modul 9) erproben Sie dieses Projekt dann in der Praxis und begleitend zu Ihrer Ausbildung. Dieses Modul dient daher Ihrer Orientierung und der Auswahl Ihres Praxisprojekts. Wir stehen Ihnen dafür begleitend zu Seite. Sie erhalten einen Leitfaden für die Planung und Konzeption sowie Anregungen und Tipps. Gern können wir auch gemeinsam brainstormen. In Ihrer schriftlichen Arbeit beschreiben Sie dann Ihre besonderen Aufgaben und Ihre Rolle in der operativen Arbeit als Pädagog*in für Interkulturelle und Interreligiöse Bildung – ein sehr gutes erstes Training!

Umfang des Moduls: 8 UE

Modul 6: Gesetzliche Grundlagen und Voraussetzungen für die interkulturelle und interreligiöse Bildung kennen

Damit Sie in Ihrer pädagogischen Arbeit rechtssicher, wissend und förderlich agieren, beschäftigen wir uns in diesem Modul mit den gesetzlichen Grundlagen und Voraussetzungen für die interkulturelle und interreligiöse Bildung in Schulen und sozialpädagogischen Bildungseinrichtungen. Dazu gehören: die UNO-Menschenrechte, Europäisches Recht, das Grundgesetz der BRD, die Kinderrechte im Grundgesetz, das Recht auf Klimaschutz, die Schulgesetze und Bildungspläne verschiedener Bundesländer sowie der Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2017. Wir besprechen die Verankerung der demokratischen Rechte bezogen auf die Religions- und Meinungsfreiheit im Grundgesetz, setzen uns mit den Menschen- und Kinderrechten in ihrem historischen Kontext auseinander und schauen uns an, wie insbesondere auch die Religionen einen Einfluss auf die Formulierung der Menschenrechte ausübten. Auch die Beschneidungsdebatte ist ein Thema. Es geht in diesem Modul um Spannungsfelder, Gesetze, Aufklärung, Wissen. Damit Sie Kinder und Jugendliche zu einem verantwortungsbewussten Leben in einer freien Gesellschaft befähigen – im Geist der Verständigung, des Friedens und der Toleranz.

 Umfang des Moduls: 8 UE

Modul 7: Religiöse Räume als Orte des Lernens und der Sozialisation erfahren

Moscheen, Tempel, Synagogen, Denkmäler, Kirchen, das House of One: Lassen Sie uns diese und weitere religiöse Orte gemeinsam besuchen. Denn immerhin gehören sie zum Sozialisationsumfeld von Kindern und Jugendlichen. Durch die Besuche schauen Sie über den Tellerrand und lernen, verschiedene Lebenswelten und Diversität wahrzunehmen; Sie lernen, sie zu verstehen und dadurch Inklusion zu fördern. In Rahmen unserer Exkursionen und Reflexionen zu religiösen Orten besprechen wir auch das dort angemessene Verhalten. Sie erfahren, wie die Architektur als Teil der religiösen Lehre zu verstehen ist. Zudem erarbeiten wir uns gemeinsam, welche Stellung und Bedeutung die Bildung in den verschiedenen Religionen überhaupt hat und wie sie dort jeweils umgesetzt wird. Anhand von Fallbeispielen schauen wir uns verschiedene Modelle des friedlichen Zusammenlebens an. Es geht in diesem Modul auch stark um Friedenspädagogik, um ihre Ziele und Arbeitsfelder sowie ihre Didaktik und Methodik, die Sie in diesem Modul ebenfalls vermittelt bekommen. Freuen Sie sich auf Ausflüge in neue Lebenswelten!

Umfang des Moduls: 24 UE

Modul 8: Kulturelle und religiöse Vielfalt der Familien einbeziehen und netzwerken

Ganz wesentlich für das Gelingen des interkulturellen und interreligiösen Miteinanders: das aktive Einbeziehen von Eltern, Großeltern und Bezugspersonen als Bündnispartner*innen. Ganz im Sinne Haim Omers „Neuer Autorität“: Eltern stärken ihre Kinder – starke Kinder brauchen starke Pädagog*innen. Daher erfahren Sie in diesem Modul, wie Sie Ihren Bündnispartner*innen ermöglichen, sich als Expert*innen für ihre jeweiligen kulturellen und religiösen Inhalte in Kita, Schule und Co. einzubringen. Die entsprechenden Themen und Konzepte planen und gestalten Sie gemeinsam, wobei Sie die pädagogische Kompetenz Ihrer Bündnispartner*innen auch in religiöser Hinsicht stärken, eben durch eine religionssensible Anerkennung und spezielle Angebote. Die Effekte: Durch die Präsenz von Eltern, Großeltern und Bezugspersonen im Verbund mit Ihnen als Pädagog*innen schaffen Sie präventiv ein äußerst wirkungsvolles Netzwerk gegen Abwertung und Ausgrenzung. Denn Sie fördern den Austausch und somit die Verständigung und das gemeinsame Erleben der Eltern untereinander. Und: Wenn Sie die Ressourcen der Eltern, Großeltern und Bezugspersonen als Vor- und Leitbilder kultureller und religiöser Bildung nutzen, weckt das auch bei den Kindern Staunen, Neugier und Respekt. Zudem lassen sich durch die interkulturelle und interreligiöse Begegnung und den Austausch Werte, Traditionen und Erziehungsvorstellungen viel besser nachvollziehen. Win-win für alle!

Umfang des Moduls: 32 UE

Modul 9: Eigenes Praxisprojekt präsentieren und reflektieren

Endlich ist es soweit: Nun präsentieren Sie die Ergebnisse ihrer Praxisprojekte, und das vor einem Fachpublikum – eine sehr gute Gelegenheit, um sich in ihrer Rolle und Aufgabe als interkulturelle und interreligiöse Multiplikator*innen erstmalig zu erproben. Als Fachpublikum sind eingeladen: Ihre Kolleg*innen, Vertreter*innen aus der Senatsverwaltung sowie Menschen, die in interkulturellen und interreligiösen gesellschaftlichen Kontexten arbeiten. Jede*r von Ihnen hat für die Präsentation 15 Minuten Zeit sowie zehn Minuten für das sich anschließende Feedback und die gemeinsame Reflexion. Alles in allem präsentieren und reflektieren Sie im Colloquium den Verlauf des Projektes, Ihre neuen Kompetenzen, neuen Sichtweisen und Erfahrungen sowie weiterführende Gedanken. Für Ihr Fachpublikum erstellen Sie zudem ein Handout mit den Ergebnissen Ihres Praxisprojekts.

Gut zu wissen: Das Colloquium können Sie einzeln absolvieren oder als Gruppe von mindestens zwei bis maximal vier Auszubildenden.

Umfang des Moduls: 10 UE

Flyer zum Download: Kurs 2216

Flyer zum Download: Qualifizieren Sie sich als Pädagog*in für Interkulturelle und Interreligiöse Bildung, kurz PIIB

Kursorganisation

Zielgruppen:

  • Pädagog*innen, Erzieher*innen, päd. Fachkräfte
  • Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen
  • Familienhelfer*innen
  • Quereinsteigende in pädagogischen Berufsfelder

Umfang:    23 Tage (184 Unterrichtseinheiten plus 1 Colloqium -Termin)

Termine: Mittwoch in der Zeit vom 27. April 2022 bis 29. März 2023
(27.04./ 04.05./ 11.05./ 15.06./ 22.06./ 29.06./ 27.07./ 24.08./ 31.08./ 07.09./ 14.09./ 21.09./ 09.11./ 16.11./ 23.11./ 07.12./ 11.01./ 18.01./ 25.01./ 22.02./ 01.03./ 08.03./ 29.03.23)

Zeit: 09 – 16 Uhr

Ort: Eventus Akademie, Markstr. 37, 13409 Berlin

Kosten: 870,00 € (für Mitarbeiter*innen der Eventus Akademie kostenfrei)

Dozent*innen: Aus verschiedenen Wissenschaften, Kulturen und Religionen
Ansprechpartnerin: Susanne Wittenberg-Tschirch

Zertifikat: Alle Kursteilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat der Eventus Akademie als „Fachpädagog*in für Interkulturelle und Interreligiöse Bildung“

Kurs-Nummer: 2216